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„Konstanz und Wandel“ – zum Rahmenthema des XXXIX. Romanistiktags, Universität Konstanz, 22.–25. September 2025

Neue Technologien haben seit jeher die Entwicklung menschlichen Lebens und menschlicher Gesellschaften beeinflusst. Dies gilt auch für die romanischen Sprachen und Literaturen sowie die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihnen. So hat beispielsweise die Entstehung des Buchdrucks dazu geführt, dass zahlreiche romanische Sprachen in umfangreicherem Maße verschriftlicht und in ersten Grammatiken beschrieben wurden. Aus linguistischer Sicht ist diese Technologie relevant, da sie zur Standardisierung und Normierung einiger dieser Sprachen geführt hat und gleichzeitig – auf Kosten anderer Sprachen und Varietäten – zu deren Verbreitung beigetragen hat. Im Bereich der romanischen Literaturen hat der Buchdruck dank der effizienteren und kostengünstigeren Produktion von Büchern nicht allein zu einer breiteren Verfügbarkeit von Texten, sondern auch zu einem intensiveren Austausch von literarischen Formen, Ideen und Konzepten geführt.
Andere technologische Entwicklungen hatten wiederum entscheidenden Einfluss auf den Inhalt literarischer Werke – zu denken wäre hier beispielsweise an die Neuerungen des 19. Jahrhunderts wie etwa die Eisenbahn oder das Telefon, die den Handlungsraum auch von Romanfiguren erweiterten und auf diese Weise neue narrative Möglichkeiten eröffneten. Von weitreichender Bedeutung ist dann im weiteren Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts insbesondere die Erfindung der Fotografie und anschließend des Films gewesen. Mit diesen visuellen Medien wurden neue Formen des Erzählens entwickelt, die zunehmend zu einer medialen Konkurrenz zu den klassisch literarischen Formaten wurden. Gleichzeitig haben die Fotografie und der Film aber auch die weitere Entwicklung der Literatur befördert, insofern sie auf der inhaltlichen Ebene auch eine Quelle der Inspiration darstellten und auf der gattungspoetologischen Ebene neue Spielräume erschlossen. Nimmt man die weitere Entwicklung insbesondere des Films in den Blick, dann sind in diesem Zusammenhang gegenwärtig vor allem die seriellen Formate erwähnenswert, die in Zeiten des Streamings zunehmend Verbreitung gefunden haben und die dadurch grundlegenden Einfluss auf das Erzählen auch in anderen Kontexten ausüben.
Ebenfalls in jüngerer Zeit haben digitale Technologien (Internet/Social Media, E-Books sowie Podcasts und Audiobücher, Virtual Reality/Augmented Reality) Verbreitung und Wandel der romanischen Sprachen und ihrer Literaturen enorm beschleunigt. Insbesondere digitale Formen von Literatur wie etwa E-Books oder auch Audiobücher sowie der häufig online stattfindende Austausch über sie beispielsweise in Podcasts oder Social Media haben nicht nur die Art und Weise verändert, wie über Literatur, ihre Formen und Inhalte gesprochen wird, sondern zudem auch den Kreis derer erweitert, die sich an den entsprechenden Diskussionen beteiligen können. Gleichzeitig haben digitale Technologien auch zu radikalen Veränderungen in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Sprachen und Literaturen geführt: Zum einen beeinflussen die neuen Entwicklungen nicht nur die didaktische Vermittlung von Sprachen und Literaturen, sondern auch den Spracherwerb selbst. Zum anderen stellen insbesondere die Künstliche Intelligenz im Allgemeinen und Large Language Models im Besonderen eine neue Herausforderung für den Umgang mit Texten, ihrer Produktion und Rezeption dar. Diese Technologien haben zwar das Potential, zeitaufwändige menschliche Aufgaben etwa im Bereich der Erstellung, Überarbeitung und Analyse von Daten und Inhalten zu beschleunigen oder letztlich auch komplett automatisiert stattfinden zu lassen. Zugleich haben diese Fähigkeiten der entsprechenden Modelle (insbesondere im universitären Kontext) auch massive Bedenken geweckt. Diese Entwicklungen fordern uns auf, uns bewusst mit den Möglichkeiten und Grenzen von digitalen Technologien zu befassen.
Im Mittelpunkt des Deutschen Romanistiktages 2025 soll daher die Frage stehen, welche Möglichkeiten und Chancen die Entwicklungen von aktuellen und historischen „neuen Technologien“ eröffnen und welche Formen des Umgangs sich für die Romanistik im Spannungsfeld von Konstanz und Wandel anbieten.