Rahmenthema – Aufruf zur Sektionenbildung

Aufruf zur Sektionenbildung

Hiermit laden wir Sie herzlich ein, bis zum 1. Juni 2026 Vorschläge für thematische Sektionen in den Bereichen Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft sowie Fachdidaktik einzureichen. Auch transversal
angelegte Sektionen sind wie in den zurückliegenden Jahren möglich. Es ist vorgesehen, dass sich zumindest die Hälfte der Sektionen dezidiert dem Rahmenthema widmet, während weitere Sektionen
aktuelle Forschungsthemen aufgreifen können. Es besteht außerdem die Möglichkeit, Bewerbungen für Halbsektionen zur Besetzung von maximal 8 Sektionsarbeitsslots einzureichen (statt 15 Slots bei den Vollsektionen). Bevorzugte Arbeitssprachen bleiben die romanischen Sprachen und das Deutsche.

Die Sektionsvorschläge können bis zu 1.000 Wörter lang sein (einschließl. Auswahlbibliographie). Richten Sie diese bitte spätestens bis zum 1. Juni 2026 als PDF-Datei per E-Mail an die Vorsitzende des DRV (sybille.grosse@rose.uni-heidelberg.de).

Rahmenthema: Bildung und Ausbildung in der Romania Revisited – Neue Perspektiven des Lesens, Lehrens und Forschens

Mit Fragen zur Bildung und Ausbildung in der Romania befasste sich im Jahr 1977 der erste thematisch ausgerichtete Romanistentag in Gießen. Heute, nun bald fünfzig Jahre später, sehen sich Romanistinnen und Romanisten vor neuen Herausforderungen in einer veränderten Welt – nicht nur, aber auch auf der Ebene der (Aus-)Bildung und aller Bereiche, die mit ihr in Verbindung stehen. Insbesondere die Digitalisierung in all ihren Ausprägungen hat Veränderungen mit sich gebracht, die vor fünfzig Jahren noch nicht absehbar waren und die zu einer veränderten bzw. sich stetig verändernden (Aus-)Bildungssituation beitragen. Als ‚Rückblick‘ kann hier verstanden werden, die großen Entwicklungen der letzten fünfzig Jahre nachzuzeichnen und ihren Einfluss auf die Literatur, Kultur, Gesellschaft und Sprache sowie ihre Didaktik herauszustellen. Gleichzeitig soll auch Gelegenheit für einen ‚Ausblick‘ geschaffen werden – der Fokus liegt hierbei insbesondere auf dem Aspekt des Lesens, betrachtet aus der Vielzahl der romanistischen Teildisziplinen. Hier soll der Buchmarkt im Fokus stehen, die Lesekulturen,
Leseförderung, die Adressierung nachhaltiger Lesepraktiken im Zeitalter von AI, LLM und Digital Humanities, neue Formate der Literaturkritik, eine sich verändernde Sprache in und über Literatur –
zahlreiche weitere Aspekte sind denkbar. Auch Fragen nach der Zukunft des Lesens und Schreibens, des Buchhandels oder neuen Formen von Multimodalität, Trans- und Intermedialität – u.a. vor dem
Hintergrund künstlicher Intelligenz – sollen diskutiert werden. Zugleich sollen die gesellschaftlichen Implikationen dieser neuen Medien und der Literatur in Bildung und Ausbildung diskutiert werden:
Inwiefern haben sie den Bildungsbegriff und das Verständnis von Bildung verändert? Wie beeinflussen sie die Ausbildung von Romanistinnen und Romanisten heute (inhaltlich, aber auch strukturell) – und wie kann die Zukunft (können die Zukünfte?) romanistischer (Aus-)Bildung und Forschung aussehen? Ausgehend von diesen Überlegungen ergeben sich zahlreiche Anschlussfragen für die Weiterentwicklung des Rahmenthemas in der Forschung, differenziert nach den einzelnen romanistischen Teildisziplinen. Denkbar sind z.B. diese hier stichpunktartig aufgeführten Anknüpfungspunkte:

Lesen, (Aus-)Bildung und digitale/soziale Medien

  • Welchen Einfluss haben die sich in den sozialen Medien entwickelnden neuen (kollektiven) Formate der Buchbesprechung (wie Book Talks, Unwrapping-Reels, Reading Challenges, Bookhauls, Shelfies, …) auf den Buchmarkt?
  • Welche lesenden Sozialfiguren prägen eine ‘neue literarische Öffentlichkeit im Strukturwandel?’ (cf. Lauer 2025) Wie agieren ‘neue’ und ‘etablierte’ Akteur*innen der literarischen Öffentlichkeit gemeinsam?
  • Wie verändert sich Sprache, z.B. in Besprechungen von Literatur, Film, Serien, Comics etc. in den sozialen Medien bzw. der digitalen Öffentlichkeit? Zeigen sich Verkürzungen, Neologismen oder spezifische, wiederkehrende Formulierungen, die als Formeln bzw. sprachliche Muster Eingang in die Sprache finden?
  • Wie können soziale Medien und digitale Formate aller Art genutzt werden, um Schüler:innen und Studierende für Literatur, Kultur und Sprache zu begeistern? Wie können sie aktiv in den Unterricht einbezogen werden?
  • Inwiefern rekurrieren neue digitale und zumeist multimodale Formate auf frühere Lesepraktiken und ‘bibliomanische’ Zustände; und wie (re-)inszenieren sie nostalgische Leseformen und -orte?
  • Wie verändert unsere Art zu lesen die literarischen Formen der Gegenwart?
  • Wie und wo ist das Lesen in der hybriden Gegenwart zu beobachten / wo und wie wird das Gelesene gegebenenfalls gesprochen und öffentlich besprochen?
  • Welche neuen (inter-)medialen Formate und Forschungsfelder entwickeln sich?

Literatur, (Aus-)Bildung und Nachhaltigkeit

  • Wie können nachhaltige Lesezukünfte und Zugriffe auf Literatur und Film aussehen?
  • Wie gestalten sich nachhaltige Lesekulturen?
  • Wie verändern sich Schreib- und Lesekulturen durch immer knappere Ressourcen?

Lesen/Schreiben, (Aus-)Bildung und KI

  • Welche Herausforderungen bedeutet KI für die Bildung, Forschung und den fremdsprachlichen Unterricht und ihre Didaktiken?
  • Wie lässt sich eine Balance zwischen Nutzen und Gefahren von KI im Kontext der Wissenschaft finden – und wie vermittelt man diese an Studierende und Schüler:innen?
  • Welche Relevanz haben Literatur-/Kultur- und Sprachwissenschaft in Zeiten von KI? Wie positioniert sich die die Romanistik mit Blick auf ihre (Aus-)Bildung für die Zukunft?
  • Wie sind Studierende der Romanistik von wissenschaftlichen Kernkompetenzen zu begeistern? Welche Implikationen ergeben sich hier für die akademische Lehre und die (gemeinsame) Lektüre?
  • Welche Auswirkungen hat künstliche Intelligenz auf den (Bilder-)Buchmarkt? Welche Texte und Bilder prägen zukünftige Generationen und welcher Raum bleibt für Literaturschaffende, Übersetzende und Illustrator:innen?
  • Welche Rechte an Texten und Bildern hat KI? Und wie können Lehrende und Studierende zukünftig damit umgehen?
  • Welche Kompetenzen benötigen Romanistinnen und Romanisten heute, um ihr Fach auf (neue) Lesens- und Lehrformen der Gegenwart und Zukunft auszurichten? Und welche (medialen) Kompetenzen werden in Zukunft bedeutsam?
  • Wie verändert AI unsere Anforderungen an Kernkompetenzen in Literacy oder in multimodalen Literacies?

Digitale Texte und ’neue‘ Formen des Sprechens, Schreibens und Kommunizierens

  • Welche Fragen der Sprachvariation und Sprachstils bzw. der Sprachstile stellen sich an LLM generierte Texte?
  • Wie verändern sich die Formen digitaler Kommunikation durch ihre präsente Multimodalität?
  • Wie innovativ sind digitale Texte wirklich? Lässt sich von einem kommunikativen Umbruch sprechen?
  • Welche Chancen und Herausforderungen stellen digitale Medien und LLMs für Kleinsprachen, diatopische oder diaphasische Varietäten sowie mehrsprachige Gesellschaften dar?
  • Welche Möglichkeiten bieten KI-gestützte Tools oder LLMs für die linguistische Analyse beispielsweise von Sprachwandel und -variation und welche Erkenntnisse lassen sich daraus ableiten?

Auswahlbibliographie

Achtermeier, Dominik; Kosch, Lukas (Hg.) (2024): Mythen des Lesens. Über eine Kulturtechnik in Zeiten gesellschaftlichen Wandels. Bielefeld: transcript (Lettre).

Backe, Hans-Joachim (2025): „The Literary Canon in the Age of New Media“, in: Poetics Today 36 (2015), 1-31.

Bajohr, Hannes (2022): Schreibenlassen. Texte zur Literatur im Digitalen. Erste Auflage. Berlin: August Verlag.

Brillenburg Wurth, Kiene; Kári Driscoll; Jessica Pressman (Hrsg.) (2018): Book Presence in a Digital Age, New York, London u.a.: Bloomsbury Academic.

Brillenburg Wurth, Kiene; Lazar Fleishman; Haun Saussy (Hrsg.) (2012): Between Page and Screen: Remaking Literature Through Cinema and Cyberspace, Fordham University Press

De Cesare, Anna-Maria (2023): “Assessing the quality of ChatGPT’s generated output in light of human-written texts. A corpus study based on textual parameters”. CHIMERA -Romance Corpora and Linguistic studies 10, 179-210. https://revistas.uam.es/chimera/article/view/17979

Ghosal, Torsa (2023):, „Introduction: Global Literary Studies and Digital Literature“, in: dies. (Hg.), Global Perspectives on Digital Literature. A Critical Introduction for the Twenty-First Century, New York1-16.

Hagen, Kirsten von (2024): Schreiben gegen das Vergessen: Erinnerungsbilder im aktuellen französischen Roman in Alice Zeniters Juste avant l’oublie (2015), in: Isabelle Stauffer (Hg.), Literatur und Film im Spiegel des Digitalen: Intermediale Reflexivität in der Gegenwart, Berlin/Boston: De Gruyter, 55-72.

Hagen, Kirsten von (2025): „Im Dickicht der kulturellen Übersetzung – Der Wald in französischen Texten des 19. Jahrhunderts und eine Nachlese bei Ruben“, in: Kirsten von Hagen/Corinna Dziudzia (Hg.), (Re-)Mythisierungen des Waldes in Zeiten des Digitalen? Eine literarische und kulturhistorische Spurensuche, Berlin: Metzler, 57-70.

Hagen, Kirsten von (2025): „New courses of the stock exchange can already call the whole existence into question”: Time, Fashion, and Social Change in the Mirror of Three French Novels of the 19th Century“, in: Deborah de Muijnck (ed.), Troubling Time(s) : Questioning Prevailing Notions of Time in the Study of Literature and Culture, Trier, 197-216.

Hagen, Kirsten von (2025): Vom Suchen und Finden. Das frankophone Road Movie als Exploration alternativer Lebensformen, in: Matthias Bauer / Christian Riedel (Hrsg.) Road Movies und Road
Novels: Neue Blicke auf den Wandel eines Genres, Brüssel: Peter Lang, 171-196.

Kosch, Lukas (2025): Literarisches Lesen. Von der literaturwissenschaftlichen Lesetheorie zur transdisziplinären Leseforschung. Göttingen: Wallstein Verlag.

Langenohl, Andreas/Lehnen, Katrin/ Zillien, Nicole (Hrsg.) (2021): Digitaler Habitus. Zur Veränderung literaler Praktiken und Bildungskonzepte. Frankfurt a.M./New York: Campus.

Lauer, Gerhard (2025): Die neue literarische Öffentlichkeit. Zum Stand eines Strukturwandels. Merkur (910, 26-29). Online verfügbar unter https://www.merkur-zeitschrift.de/artikel/die-neueliterarische-oeffentlichkeit-a-mr-79-3-26/.

Lauer, Gerhard, Lesen im digitalen Zeitalter, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2020.

Martinez, Hélène (2019): „Ein Framework for Learning Opportunities? Zur Digitalisierung im Französisch- und Spanischunterricht“. In: Burwitz-Melzer, Eva / Riemer, Claudia / Schmelter, Lars (Hrsg.): Das Lehren und Lernen von Fremd- und Zweitsprachen im digitalen Wandel. Arbeitspapiere der 39. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts. Tübingen: Narr, 150-161.

Martinez, Hélène (2021): „Nachdenken über Nachhaltigkeit“. In: Burwitz-Melzer, Eva/Riemer, Claudia/Schmelter, Lars (Hrsg.): Entwicklung von Nachhaltigkeit beim Lehren und Lernen von
Fremd- und Zweitsprachen. Arbeitspapiere der 41. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts. Tübingen: Narr, 107-117.

Martinez, Hélène/ Graf, Dittmar/ Graulich, Nicole, Lengnink, Katja/ Schreiber, Christof (Hrsg.) (2021): Digitale Bildung für Lehramtsstudierende. Wiesbaden: Springer VS.

Mills, Kathy A. (2015): Literacy Theories for the Digital Age. Social, Critical, Multimodal, Spatial, Material and Sensory Lenses. Bristol: Multilingual Matters.
Pressman, Jessica (2020): Bookishness. Loving Books in a Digital Age, New York: Columbia University Press.

Pyrhönen, Heta; Kantola, Janna (Hg.) (2018): Reading Today. London: UCL Press.

Stickel, Marie-Theres (2021): “How Publishing Houses Are Defying the Highly Digitalised Twenty-First Century: Strategies of Branding and Designing Classic Books Series”. In: Literature and Literary Studies in the Twenty-First Century: Cultural Concerns – Concepts – Case Studies, Ansgar Nünning, Vera Nünning, and Alexander Scherr (Eds.). Trier: WVT, 261-277.